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Muss die Weltwoche verboten werden?

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17. Mai 2010 von Schlemihl

Die Islam-Diskussion in der Schweiz nimmt langsam aber sicher absurde Formen an. Es wird nicht mehr unterschieden zwischen radikalen und gemässigten Muslimen. Das rechtskonservative Wochenblatt “Die Weltwoche” bringt sogar ein Verbot des Islams aufs Tapet.

Natalie Rickli: “Wir müssen den Islam bekämpfen”
Bislang hatten die nationalkonservativen Kreise immer verlauten lassen, sie hätten nichts gegen den Islam an sich, sondern es gehe um die Auswüchse, die sie bekämpfen wollten. In der Sendung “SonnTalk” auf TeleZüri vom 7. Mai tönte es aus dem Munde von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ganz anders: “Wir müssen den Islam bekämpfen” sagt Rickli wortwörtlich.

“Muss der Islam verboten werden?”
Diese Frage stellt die Weltwoche provokativ im Stile einer Boulevard-Zeitung auf ihrer Titelseite. Und liefert gleich mehrere “Argumente”, weshalb man dies tun sollte. So behauptet die Weltwoche unter anderem, es sei keine Trennung zwischen Kirche und Staat möglich im Islam und die Religion der Muslime sei nicht mit unserer Bundesverfassung vereinbar. Im Online-Forum der Weltwoche äussern sich zahlreiche Weltwoche-Leser bejahend zu einem Verbot des Islams.

Muss der Islam verboten werden?

Muss der Islam verboten werden? Titelblatt der nationalkonservativen Weltwoche


Trennung von Kirche und Staat
Die Trennung von Kirche und Staat ist ein wichtiger Grundsatz in einem Rechtsstaat. Doch haben wir in der Schweiz wirklich eine konsequente Trennung von Kirche und Staat? In den meisten Kantonen haben wir dies nicht! Denn bei uns müssen juristische Personen Kirchensteuern zahlen, die Mitgliederbeiträge für die Landeskirchen werden vom Staat eingezogen und in einigen Kantonen werden sogar die Pfarrerlöhne vom Staat bezahlt.

Die Mehrheit der Muslime in der Schweiz stammt aus dem Balkan. Sie sind aus dem ehemaligen Jugoslawien oder aus Albanien zu uns gekommen. Diese beiden Staaten haben oder hatten aber im Vergleich zur Schweiz eine sehr konsequente Trennung von Kirche und Staat. Die Balkan-Muslime haben mit Bestimmheit grosse Augen gemacht, als sie hörten, dass es bei uns so etwas wie eine Kirchensteuer gibt, die selbst von Unternehmen bezahlt werden muss.

Die Argumentation der Weltwoche macht also wenig Sinn, zumal gerade das bevölkerungsreichste islamische Land Indonesien beweist, dass auch in islamischen Staaten eine klare Trennung von Kirche und Staat möglich ist.

Religion und Verfassung
Nimmt man den Koran oder die Scharia wortwörtlich, dann muss man der Weltwoche zustimmen: Einige Aussagen sind sicherlich nicht mit unserer Verfassung vereinbar. Nur, ist das in der Bibel anders? Finden sich nicht auch dort Passagen, die gegen unsere heutigen Werte in der Schweiz verstossen? Gerade im Bereich der Gleichstellung von Mann und Frau? Oder ist es etwa mit unserer Verfassung vereinbar, dass Frauen von Priesteramt in der katholischen Kirche aufgrund ihres Geschlechts ausgeschlossen werden? Wohl kaum!

Auch in anderen religiösen Schriften lassen sich problemlos Passagen finden, die mit unserer Verfassung nicht vereinbar sind. Kosequenterweise müsste also die Frage der Weltwoche lauten: Muss die Religion verboten werden? Nun ist es ja zum Glück so, dass die Mehrheit der Leute, die in der Schweiz leben, egal welcher Religionsgemeinschaft sie auch angehören, ihre heilige Schrift nicht wortwörtlich nehmen und deshalb auch keinerlei Probleme mit unserer Verfassung.

Fazit
Die Beispiele Rickli und Weltwoche zeigen, dass die Diskussion über den Islam in der Schweiz immer undifferenzierter wird und sich immer mehr gegen alle Muslime, egal ob gemässigt oder radikal, richtet.

Um auf meine Frage im Titel zurückzukommen: Selbstverständlich muss die Weltwoche nicht verboten werden. Auch wenn sie sich mit ihren pauschalen und teilweise falschen Behauptungen gegenüber dem Islam immer mehr der Diskriminierung nähert. Man sollte aber etwas nachsichtig sein. Schliesslich hat die Weltwoche innerhalb von zwei Jahren 13% ihrer Abonnenten verloren. Deshalb kann man diese provokative Frage auch als verzweifelter Versuch, den Rückgang der Auflage zu stoppen, ansehen. Zudem soll auch weiterhin der Grundsatz gelten: Blödsinn schreiben ist nicht verboten!

6 Kommentare zu “Muss die Weltwoche verboten werden?

  1. Hans P. Grimm sagt:

    Blödsinn Schreiben ist nicht verboten! trotzdem sollte alles doch einen Sinn ergeben!

    In diesem Sinne möchte ich zu bedenken geben, dass es eben nicht den Islam an sich gibt sondern viele Strömungen, einige Moderat, andere, auch wenn es Peter Schlemihls nicht wahrhaben will, auch sehr Extreme. Ich erinnere nur an den Bombenanschlag an Weihnachten einer Kirche in Nigeria.

    Natürlich sind auch Christen nicht immer weisse Schafe, Extreme aller Richtungen gehören bekämpft! So auch der Terror-Islam der auch sehr rassistische Züge annimmt wenn er alles nichtislamische töten will.

    Der Islam, wie alle Religionen, müssen nicht verboten werden, aber allen Religionsangehörigen muss explizit klargemacht werden, dass wir Angriffe auf unsere Werte und Zivilisationen nicht dulden und das mit Konsequenzen zu rechnen sind!

    Die Einhaltung der Menschenrechte usw. ist auch für den einzelnen Moslem eine Garantie für ein Leben in Freiheit und Wohlstand und nicht Islamophobie wie einige der Gegner von Recht und Ordnung uns einreden wollen.

    Tolleranz ist Feigheit, wenn er Ungerechtigkeiten, Zwangsehen, ermorden von Töchtern und Schwestern, usw. als fremde Kulturen, die wir zu tollerieren haben, definiert.

  2. Schlemihl sagt:

    Herr Grimm

    Genau das schreibe ich ja in meinem Artikel! Ich wehre mich gegen die Pauschalverurteilung des Islams und dagegen, dass eben die nötigen Differnzierungen, die sie aufgezeigt haben, von der Weltwoche und der SVP nicht gemacht werden!

    • Ahmoud sagt:

      Lol, der Islam ist böse da faschistisch, menschen-/lebensverachtend. Es gibt viele Strömungen, doch nur einen Koran. Wer den liest, dem wird „Angst und Bange“ -G.Wallraff “
      1
      “Sure 2, Vers 191: “Und erschlagt sie (die Ungläubigen), wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben;
      denn Verführung [zum Unglauben] ist schlimmer als Totschlag. …”

  3. […] gernerell gehetzt und es wird gar ein Verbot des Islams zu Thema gemacht. Ich habe mich bereits in einem früheren Artikel dazu […]

  4. Lotrone Luca sagt:

    „(…) gerade das bevölkerungsreichste islamische Land Indonesien beweist, dass auch in islamischen Staaten eine klare Trennung von Kirche und Staat möglich ist.“

    Offiziell ist dies korrekt, doch die Realität sieht anders aus: Seit 1990 wurden in Indonesien gegen 500 christliche Kirchen niedergebrannt – insgesant gab es dazu gerade mal zwei Verfahren. Islamische Strukturen haben in dem Land, das ich so sehr liebte, den Justizapparat schariagemäss unterwandert. Von einer Trennung kann nicht im Ansatze die Rede sein, Herr Schleimihl! Dasselbe ist auf den Philippinen und in Teilen Burmas in Gange.

    Ich verstehe ja die Beweggründe derer, die dem Islam gegenüber positiv eingestellt sein wollen (aus ideellen Gründen). Traurig ist, dass, sobald man sich mit der Sache wirklich beschäftigt, man nur noch enttäuscht und verängstigt zurückbleibt. In allen von mir bereisten (teil-)islamisierten Staaten hat sich die fundamentalistische Sicht- und Lebensweise durchgesetzt. Ich schicke liebe Grüsse in die bisher verschonte Schweiz und sage:
    Passt auf! Bisher verlief keine Islamisierung friedlich – warum hofft ihr, dass es gerade bei euch eine Ausnahme geben wird?

    Angst und Abwehr sind nötig, sonst fällt schnell die Respektbarriere, sobald ca. 15 bis 20% erreicht sind. Passt bitte auf euer schönes Land auf.

  5. argus327 sagt:

    Den Artikel habe ich gelesen. Er setzt sich eben mit der Basis des Islam auseinander. Die ist gewalttätig und intolerant. Verachtet alle anderen Religionen. Das sagen alle, die ihn gelesen haben – Mohammed hat selbst über 70 Kriege geführt. Die Gewallttätigkeit ist nicht wegzuinterpretieren und mit der Bibel absolut nicht vergleichbar.

    Die Integration der Moslems in Deutschland verschlechtert sich. DIe Meisten schaffen kaum den Schulabschluss, obwohl in Deutschland geboren. Vietnamesen machen fünf Mal öfter die Matur als solche mit muslimischen Hintergrund.

    Der Islam ist eine gewaltverherrlichende, intolerante Religion. Und ja, konsequenterweise müsste er und seine Symbole (Kopftuch, Burka u.a.) analog den Hakenkreuzen verboten werden.

    Hier schaue man sich https://www.youtube.com/watch?v=5vjJSC970V0 die Verhältnisse an einer heutigen Schule in Deutschland. https://www.youtube.com/watch?v=5OBCyvA-MeQ

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